Jan
21
Samstag

Konzertrezension von Ines Popowski

Glück im Unglück hatten wir gestern kurz vor Toresöffnung, doch dank der schnellen Hilfe von Vereinsmitgliedern und der Zwickauer Wasserwirtschaft war von der durch Frost geplatzten Wasseruhr und dem fehlenden fließend Wasser keine Rede mehr.

Schnell füllte sich die schmucke Lady und von der Kälte draußen, war drinnen nichts mehr zu spüren. Wer Glück hatte, ergatterte sich ein paar VIP-Plätze auf der Empore, der Rest verfolgte das Konzert im Stehen oder nahm auf den vorhandenen Sitzplätzen platz, denn die Kirche war restlos ausverkauft.

Jana eröffnete das Konzert mit ein paar kurzen Worten. Sie erzählte uns von der langen Studioarbeit der letzten Monate zum neuen Album und davon, dass sie den tristen grauen Wintermonaten mit wohligem Kerzenlicht begegnet. Auf der Fahrt von Berlin nach Lichtentanne über schneeweiße verschneite Berge und Felder verlor sich die gefühlte „Enge aufgrund der dunklen Jahreszeit“ nach und nach und verwandelte sich in ein herzerwärmedes wohliges „offenes“ Gefühl. Denn schon zum jährlichen Ritual geworden, waren die Bellis zum 6. Mal in der St. Barbara zu Gast.

Wie schon so oft, hatten sie leider Mühe aufgrund der Witterung den Berg zur Kirche zu bezwingen. Doch gemeinsam war dieser schnell erklommen. Dieses Mal kamen sie in einer etwas anderen Besetzung und es sollte so manch neues Songmaterial geben, dazu dann mehr. Sohnemann Tom ist derzeit mit Andy´s Dad „Maschine“ unterwegs. Für ihn sprang als Drummer Sascha Bachman ein. Am Keyboard wurden die Bellis von einem guten alten Bekannten Conrad Oleak unterstützt.

Die Bellis begannen das Konzert mit einem neuen Opener „Wie wir sind“, welches uns zum Ende des Konzertes nochmal begegnen sollte.

Danach folgte Hit auf Hit aus den letzten 23 Jahren ihrer Musikgeschichte mit witzigen Anekdoten zu den Songs, sowie dessen Bedeutung. Etwas sanftere Töne erklangen beispielsweise bei „Imagine“, dass an alle die erinnern soll bzw. denen gewidmet ist, die nicht mehr bei uns sein können. Oder „Anabell“ gesungen von Holger Jagsch ein Song über dessen Tochter, die ihn zum ersten Opa der Band gemacht hat. Was natürlich nicht fehlen durfte, war der Ohrwurm „Rescue me“, der mittlerweile schon fast 20 Jahre alt ist, so Jana. Sie bedankte sich mit diesem Song auch bei allen Fans, die den Song zu dem gemacht haben, was er heute immer noch ist, ein Klassiker und kein One-Hit-Wonder.

Danach wurde Jana kurz etwas still und wirkte ein wenig in sich gekehrt. Sie erzählte uns, dass nun alle Songs zum neuen Album, welches in deutscher Sprache erscheint, aufgenommen sind. Die Bellis haben eine Plattenfirma gefunden, die mit ihnen zusammen „nochmal durchstarten“ wollen, scherzhaft erwähnte der Produzent, dass sie sich beeilen müssten, denn der „Alterungsprozess“ von Jana wäre nicht aufzuhalten. Hierüber muss sich Jana jedoch noch lange keine Gedanken machen.

Die Fans und auch Bell Book and Candle waren gespannt, denn nun folgte der Teil des Konzertes, in denen uns Jana und ihre Jungs die deutschen Songs präsentierten. Die gefühlte „Aufregung“ vllt. auch ein wenig Angespanntheit sollte sich alsbald verflüchtigen, denn sie war unbegründet. Jedoch hat man als Künstler sicher eingangs „Bedenken“, ob die neuen Songs „ankommen“ und so rüberkommen, wie man sich das vorstellt.

Rio Reiser´s „Junimond“ wurde laut eigener Aussage von Jana nur für sie geschrieben und das sollte sich bewahrheiten. Der Song war ihr wie auf dem Leib geschneidert. Auf ihre ganz eigene wundervolle Art interpretiere Jana gefühlvoll den bereits 30 Jahre alten Song. Dafür ernteten Bell Book and Candle tosenden Applaus.

Den bereits bekannten Titel „7 Seas“ sangen Bell Book and Candle diesmal in deutsch. Die

„7 Seen“ kamen meiner Ansicht nach viel treffender und emotionaler als in der bekannten engl. Version rüber. Ein Song, geschrieben für Sohn Tom und alle Kinder, für die man als Eltern „übers Wasser geht“.

Bereits seit Jahren zeigen Bell Book and Candle, dass ihnen die deutsche Sprache in Sachen Songs liegt, der Puhdys-Titel „An den Ufern der Nacht“ ist fester Bestandteil der Setlist, überzeugt und lässt die Gäste näher zusammen rücken.

Um den Wartesaal namens Leben ging es in dem gleichnamigen Titel „Wartesaal“. Ausgewählte, gut durchdachte Texte, aus dem Leben gegriffen, die bewegen und selbst zum Nachdenken anregen. Das macht neugierig auf alles, was uns auf dem neuen Album erwartet.

Bell Book and Candle beendeten das Konzert, wie eingangs schon erwähnt, mit dem Opener „Wie wir sind“ ein Song über uns selbst, der nachdenklich macht, über das eigene Handeln und Tun, das eigene Verhalten, ganz einfach über den Umgang miteinander, passend in die heutige Zeit, leider. Jedoch ein schöner Abschluss eines schönen Abends.

Seid also gespannt auf das neue Album.